Gründungsjahr: 1819

Ein alter heimatlicher Brauch, der in Markwerben seit 1819 urkundlich nachweisbar ist und bis heute gepflegt wird, ist das jährliche Eierbetteln zu Kleinpfingsten(eine Woche nach Pffingsten).

Dieser Brauch soll aus der Zeit nach den schrecklichen Kriegs- und Pestjahren 1631, 1632, 1641 und 1644 herrühren. Nachdem diese unheilvollen Jahre vorüber waren, konnte die Bevölkerung wieder aufatmen, hatte sie allen Grund wieder ausgelassen und fröhlich zu sein, was sich in Mummenschanz (Verkleidung) und dem Eierbetteln ausdrückt. Andererseits sollten aber auch die bösen Geister, dargestellt durch Verkleidete, vertrieben sowie furchtbare Krankheiten vom Ort bzw. vom Dorf ferngehalten werden. So tollte man zum Eierbetteln in allerlei Maskierungen im Dorf herum.

Das Setzen einer Maie (Birken) versinnbildlicht das Frühlingserwachen. Die schwere Winterzeit ist überwunden, der Frühling bringt Sonne und Wärme.

Das „Kleinpfingstfest“ wurde in Markwerben immer am Montag, eine Woche nach Pfingsten (deshalb Kleinpfingsten) begangen.

Der Ablauf vollzog sich wie folgt:

Am „Kleinpfingstmontag“ teilten sich die Mitglieder in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe fuhr mit Pferdewagen in den Wald und schlug die Maien. Die andere Gruppe führte den sogenannte „Flurgang“ durch. Gemeinsam mit dem Bürgermeister begingen die Mitglieder der Kleinpfingstgesellschaft (nur verheiratete Männer) die Flurgrenzen der Gemeinde Markwerben und erkundeten die Einhaltung der Rechtmäßigkeit der Flurgrenzen durch die angrenzende Gemeinden, kontrollierten die Ordnung, die Sauberkeit sowie die Einhaltung der Gemeindeordnung bzw. stellten sonstige Vergehen fest.

Solche Verstöße waren z.B.: (Auszüge aus der Chronik)

1819 „12 Groschen hat Maria Elisabeth Eichartin aus Tagewerben Strafe geben müssen, weil dieselbe in der Stadt über Felder gegraset hat“

„12 Groschen hat Johann Gottfried Frei der Jüngere in die Gemeinde bezahlt und ist dafür zum Nachbarn (Mitglied) aufgenommen wurden“

1825 „6 Groschen hat Gottfried Börner bezahlt, weil er nicht in der Glauke zur Flurbegehung gekommen ist“
1830 „6 Groschen mußte Gottfried Kloß aus Uichteritz erlegen, weil der 6 Pflaumenbäume auf dem Gemeindeboden gesetzt hat“
1834 „2 Taler und 1 Tonne Bier hat der Leutnant Kunz zu Storkau belegt wegen Scharfschießen an der Saale zwanzigmal“
1834 „2 Taler und 6 Groschen wurde Christian Kahl aus Uichteritz Strafe erlegt, weil er hinter der Ziegelscheune Erde weggefahren und den Flurstein mitgenommen, er wurde aber aufgehalten für anderen Stein zu sorgen und beim Setzen alle Kosten zu tragen“

Auch Verstöße gegen die Vereinsregeln bzw. besondere Vorkommnisse durch Mitglieder des Vereins wurden geahndet.

Diese Verstöße wurden mit einem Zins bzw. Strafgeld (Triftgeld) geahndet und dieser durch Mitglieder der Kleinpfingstgesellschaft bzw. dem Gemeindediener eingetrieben.

Diese eingesammelten Gelder wurden dann am Nachmittag des „Kleinpfingstmontags“ beim sogenannten „Pfingstrechnen“ gemeinsam mit dem Gemeindevorstand in Getränke (Bier und Schnaps) umgesetzt. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die „Neuen“ als „Nachbarn“ bezeichnet, als Mitglied in die Gemeinschaft aufgenommen.

Nach dem Pfingstrechnen wurde das Eierbetteln durchgeführt. Die Eierbettler zogen in verschiedenen Verkleidungen durch das Dorf und sammelten Lebensmittel, z.B. Wurst, Speck, Eier aber auch Getränke und Geld ein. Diese Gaben wurden dann in fröhlicher Runde verzehrt.

Der Pfingstmontag war schon immer der Höhepunkt im Gemeindeleben von Markwerben. Die Zeit verging, doch der Brauch wurde jedes Jahr durchgeführt.

Zur Jahrhundertwende wurde der Brauch durch das „Maienstecken“ erweitert. Am Pfingstmontag früh ging es mit Pferdefuhrwerken in den Gosecker Wald. Dort wurden ca. 30 bis 40 Maien (Birken) geschlagen, die nach der Rückfahrt feierlich gesetzt wurden. Eine Maie bekamen alle Geschäftsleute sowie die Jungvermählten in Markwerben.

Die Tradition des „Kleinpfingsten“ konnte selbst in den fürchterlichen Kriegsjahren des 2. Weltkrieges nicht gebrochen werden. Jedes Jahr wurde das „Pfingstrechnen“ nach erfolgtem Flurgang durchgeführt. Allerdings das Maienstecken sowie das Eierbetteln entfielen.

1946 wurde erstmalig nach 7 jähriger Pause wieder die „Ausfahrt“ in den Gosecker Wald durchgeführt. Mit 10 Pferdewagen ging es zum Maienschlagen. Nachmittags stand wieder das Pfingstrechnen auf dem Programm.

1960 gab es erneut eine Neuerung im Programmablauf. Erstmalig wurden am Sonntag die Maien geschlagen und gesetzt. An der Ausfahrt in den Gosecker Wald nahmen in diesem Jahr 16 Gespanne teil. Grund dafür, man hatte am Montag mehr Zeit für das Pfingstrechnen und konnte länger und intensiver feiern.

Zum 155 jährigen Jubiläum, 1969, wurde erstmalig das Maienschlagen am Freitag durchgeführt. In diesem Jahr wurden ebenfalls zum ersten Mal alle Hauseigentümer mit einer Maie beehrt, so dass ca. 200 Maien im Wald geschlagen werden mussten. Nach langjähriger Pause wurde erstmalig auch wieder das Eierbetteln durchgeführt. Auf 5 geschmückten Festwagen nahmen 50 Personen als aktive Eierbettler teil.

1971 war eine Ausfahrt mit Pferdefuhrwerken nicht mehr möglich. Hatte man sich in den vergangenen Jahren noch Pferde aus Uichteritz, Obschütz oder Storkau ausgeliehen, gab es nun nicht mehr genügend. Der Traktor ersetzte immer mehr das Pferd. Dennoch wurde die „Ausfahrt“ in den Gosecker Wald durchgeführt und zwar mit dem Bus. Ein Höhepunkt 1971 war die feierliche Schlüsselübergabe zur Wiedereröffnung des Saales. In 1250 Stunden wurde der Saal durch die Mitglieder der Kleinpfingstgesellschaft renoviert und seiner Bestimmung übergeben. Einige Jahre später wurde dieser Saal leider wieder von der damaligen Konsumgenossenschaft zurückgefordert und durfte durch die Kleinpfingstgesellschaft nicht mehr benutzt werden.

In den 80-ziger Jahren wurde mit Konsequenz diese langjährige Tradition in der Gemeinde Markwerben fortgesetzt. Trotz Höhen und Tiefen war das Eierbetteln immer ein Höhepunkt im Kulturleben der Gemeinde Markwerben.

1986 konnte das Eierbetteln nur nach langen Diskussionen und mit Verspätung beginnen.

Vier Eierbettler hatten sich als Punker verkleidet. Ihre Verkleidung wirkte leider so echt, dass der zur Zeit in Vertretung anwesende ABV (Abschnittsbevolmächtigter der Polizei) den Umzug der Eierbettler nicht beginnen lassen wollte. Erst nach Herbeirufen der Polizeistreifen aus Weißenfels und nach einigen Diskussionen wurde die Verkleidung akzeptiert und das Eierbetteln konnte fortgesetzt werden.

Seit 1987 wurde die Ausfahrt in den Gosecker Wald nicht mehr durchgeführt. Ein Grund war ein Verkehrsunfall, der sich beim Maienschlagen 1986 ereignete. Ein anderer Grund war, dass es in Markwerben nicht mehr genügend Pferde, die so genannte „Ausfahrt“ zur Verfügung standen.

Die so genannte „Ausfahrt“ bei der auch die „Neuen“ (neue Mitglieder) getauft wurden, wurde im Rundell des Parkes am Sportplatz der so genannten „Markwerbener Schweiz“ und bei Regenwetter in der Sportlergaststätte durchgeführt. Seit der Eröffnung der Gaststätte „Zum Lindenhof“ findet die Ausfahrt abwechselnd in den beiden Gaststätten statt.

1989 wurde mit der Vereinsgründung der Markwerbener Kleinpfingstgesellschaft e. V. erneut unterstrichen, dass auch nach der so genannten „Wende“ diese alte Tradition Bestandteil des Markwerbener Kulturlebens bleiben soll.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten bei der Beteiligung am Eierbetteln ist in den letzten Jahren ein Aufwärtstrend zu erkennen. Immer mehr Jungvermählte und auch Jugendliche nehmen als aktive Eierbettler teil und unterstützen somit diesen traditionellen Brauch. Die langjährig in einzelnen Gruppen zusammenarbeitenden Eierbettler versuchen, durch originelle Ideen bzw. auch durch Darbietungen den Gästen etwas zu bieten.

In diesem Jahr wird dieser traditionelle Brauch nun schon zum 188. Male durchgeführt.

Am Freitag fahren ca. 30 Kleinpfingstburschen in den Wald, um 250 Maien zu schlagen. Beim „Maienstecken“ werden diese Maien am Samstag Vormittag im gesamten Ort mit Blasmusik gesteckt. Am Nachmittag treffen sich alle zur so genannten „Ausfahrt“ , bei der traditionell die Neuen mit einer zünftigen Taufe in die Reihen der Kleinpfingstburschen aufgenommen werden.

Höhepunkt wird das Eierbetteln am Sonntag, im Sommer, 15 Uhr sein. Die Eierbettlergruppen marschieren unter Begleitung von Blasmusik auf der Hauptstraße ein. Selbstverständlich bleiben die Verkleidungen der einzelnen Gruppen bis zum letzten Augenblick geheim, so dass es für die Gäste sowie Besucher viele Überraschungen gibt.

Auf der Hauptstraße bzw. Festbühne werden einige Eierbettlergruppen ihr kulturelles Können unter Beweis stellen und zur Belustigung der Gäste beitragen. Nach dem Mummenschanz auf der Hauptstraße geht das lustige Treiben auf dem Anger weiter.

Für das leibliche Wohl wird natürlich auch wieder bestens gesorgt sein. Neben zahlreichen gebratenen Leckereien lädt auch das Kleinpfingstkaffee traditionell mit Kaffee und Kuchen zum Verweilen ein.

Auch an unsere Kinder wird in diesem Jahr wieder gedacht. Eine Springeburg, Ponny-Reiten, eine Bastelstraße sowie das Kinderschminken sollen für fröhliche Stunden sorgen.

Ausklingen wird das Fest mit dem Eierbettlertanz der ab 19 Uhr auf dem Saal beginnt.